Aderlass Durchführung

Der Aderlass ist ein seit der Antike bekanntes Heilverfahren. Als es noch keine medizinischen Kanülen gab, wurde zur Durchführung des Aderlasses eine oberflächliche Hautvene mit einem Messer angeschnitten, so dass Blut ausfließen konnte. Heute werden etwas dickere Spezialkanülen (Strauss-Kanülen) verwendet im Vergleich zu den Kanülen, die für die üblichen Laborblutentnahmen benutzt werden.
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Bereits in der Antike hatten die Ärzte erkannt, dass der lebende Körper von vier verschiedenartigen Säften durchströmt war. Diese der Medizin zugrundeliegende Theorie wurde deswegen auch „Säftelehre“ genannt. Diese Säfte, griechisch „Humores“ genannt, müssen im rechten Mischungsverhältnis zueinander stehen. Unser heutiges Wort „Humor“ kommt übrigens daher. Je nach gutem oder schlechtem Mischungsverhältnis kann der Humor des Menschen mal besser, mal schlechter sein. Der Humor wird bekanntlich stark vom Charakter beeinflusst. Die menschlichen Charaktere können mehr oder weniger melancholisch, cholerisch, phlegmatisch oder sanguinisch sein. Und mit diesen vier klassischen Charakteren sind wir auch schon bei der Bezeichnung der Säfte. Beim Melancholiker liegt der Säfteschwerpunkt auf dem „Melanche-Stoff“, der schwarzen Galle. Man kann davon ausgehen, dass ein Zuviel an Melanche-Stoff depressiv macht. Der Choleriker hat zuviel „Chol“, also gelbe Galle. Wem die „Galle überläuft“, der explodiert leicht, er verhält sich eben cholerisch. Wenn ein Mensch zuviel „Phlegma“ im Blut und Gewebe hat, dann hat er zuviel vom Schleim. Beim Phlegmatiker ist alles zäh und klebrig, er denkt langsam und kommt schwer in Gang. Der Sanguiniker hat ein Übergewicht an „Sanguis“, also an Blut. Für ihn scheint alles leicht von der Hand zu gehen. Er ist der Springinsfeld, der „Hans-Dampf in allen Gassen“. Er überfordert sich aber möglicherweise auch leicht und aus solchem chronischen Stress kann sich der „rote Bluthochdruck“ mit einem Zuviel an Blut in den Adern entwickeln. Wenn diese Menschen älter sind, sind sie leicht an ihrem roten Kopf zu erkennen.

Mit der Methode des klassischen Aderlasses kann der Therapeut helfen, ins Ungleichgewicht geratene Säfte wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Indikationsstellung und im Einzelfall richtige Durchführung des Aderlasses sind eine Kunst. Je nach Konstitutionstyp des Menschen und nach der Erkrankung muss der Aderlass anders durchgeführt werden. Neben dem klassischen Aderlass gibt es noch den Aderlass der naturheilkundlichen Gynäkologie, den Aderlass nach der heiligen Hildegard und den Aderlass der Schulmedizin. Dabei ist die Technik des Aderlasses noch das Einfachste.

Der Aderlass der Schulmedizin wird bei Polyzythämia vera angewendet. Das Blut dieser Patienten ist zu dick, es fließt zäh durch das Gefäßsystem und kann von daher seine Transportfunktion für Sauerstoff, Kohlendioxid, Nährstoffe und Schlacken nicht gut erfüllen. Die Polyzythämie wird mit einer Laboruntersuchung diagnostiziert. Bei Polyzythämie sind der Hämoglobinwert, der Hamatokritwert und die Erythrozytenzahl erhöht. Auch bei chronischem Bluthochdruck und bei akuter Bluthochdruckkrise (Werte um die 220/120 und höher) ist der Aderlass sehr hilfreich. Meistens liegt in solchen Fällen keine Anämie vor, so dass mit ca. 250 ml großzügig zur Ader gelassen werden kann.

Beim Aderlass nach der Heiligen Hildegard von Bingen sind bestimmte, von Hildegard angegebene Regeln zu beachten. Er muss morgens nüchtern und an den Tagen der Woche nach Vollmond durchgeführt werden. Mit dem hildegardischen Aderlass sollen besonders Schleimstoffe aus dem Blut und Gewebe entfernt werden.

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Unmittelbar nach dem Aderlass wird Fencheltee getrunken, da die Doldenpflanze Fenchel eine starke Beziehung zur Luft hat, und Schleim aus dem Blut entfernen kann. Fünf Tage nach dem Aderlass sollen keine verschleimenden Speisen wie Milchprodukte oder zuviel Fleisch und Wurst gegessen werden. Ebenso ist Bohnenkaffee und zu scharf gewürztes Essen in diesen fünf Tagen nicht erlaubt.

In der naturheilkundlichen Gynäkologie ist der Aderlass sehr wichtig.

Die Naturheilkunde geht davon aus, dass die Menstruationsblutung der Frau eine wichtige Reinigungsfunktion für Körper und Seele der Frau hat. Bereits Hippokrates schrieb ca. 400 vor Christus: „Wenn die Frauen ihre Menses nicht richtig absondern, erkranken sie an ihrem Leibe“. Und Galen lehrte im zweiten Jahrhundert nach Christus, dass Brustkrebs durch ein Zuviel an schwarzer Galle entsteht, dass die schwarze Galle aber durch die Menstruationsblutung ausgeschieden wird. Jeder in der heutigen Zeit praktizierende Arzt, der auf diese Zusammenhänge achtet, kann feststellen, dass Brustkrebs bis auf wenige Ausnahmen auf drei lebensgeschichtliche Faktoren zurückgeführt werden kann. Entweder, die betroffene Frau hat mehr oder weniger lange Zeit vor ihrer natürlichen Menopause aufgehört zu menstruieren, z.B. durch Gebärmutterverlust oder durch Verhütungsmethoden, die die Blutung aussetzen (Drei-Monats-Spritze, Hormonspirale, Verhütungsimplantat) oder sie hat mehr oder weniger lange die Pille genommen, wodurch die Stärke der Monatsblutung herabgesetzt wurde. Meistens haben betroffene Frauen aber sogar beides erlebt, wobei die Pille die Entwicklung zur Gebärmutterentfernung provoziert hat: Der Eisprung wird verhindert, dadurch entsteht Progesteronmangel. Progesteronmangel bedeutet aber Östrogendominanz. Östrogendominanz erhöht einerseits das Risiko der Entstehung von Krebszellen im Brustgewebe und fördert andererseits das Auftreten von Gebärmuttermyomen. Wenn anfänglich durch die Pille die Blutung abgeschwächt wird, so wird sie später, einige Jahre vor der Menopause, durch Myome bedingt deutlich stärker. So stark, dass die Gynäkologie der Frau zur Gebärmutterentfernung rät. Dies ist vor zwei bis drei Jahrzehnten von der Gynäkologie rigoros und oft ohne zu hinterfragen bei sehr vielen Frauen gemacht worden. Heute ist die Gynäkologie hier erfreulicherweise zurückhaltender.

Ein dritter möglicher lebensgeschichtlicher Faktor für Brustkrebs ist die Abtreibung des ungeborenen Kindes. Durch die Schwangerschaft wirken Wachstumsimpulse auf die weibliche Brust, die einen natürlichen Sinn haben, nämlich das Stillen. Wird die Schwangerschaft gewaltsam beendet, wirken die Wachstumsimpulse ungeordnet weiter und können zu einer solch fatalen Entwicklung wie Brustkrebs führen.

Der Aderlass wird von der naturheilkundlichen Gynäkologie für alle Frauen empfohlen, die ihre Gebärmutter bereits in ihren 30er oder 40er Lebensjahren verloren haben. In diesen Fällen wird der Aderlass häufig, also ca. alle zwei Monate durchgeführt. Nach jahrelanger Unterbrechung oder Abschwächung der Monatsblutung durch Verhütung sollten eine Zeitlang Aderlässe im zwei- bis dreimonatigen Abstand durchgeführt werden. Auch Jahre nach Abtreibungen sind Aderlässe empfehlenswert. Es gibt sicher keine Frau, der die Abtreibung ihres Kindes leicht gefallen ist. Mehr oder weniger bewusst oder unterbewusst bleibt Bitternis und „Schwarzgalligkeit“ zurück. Diese gilt es mit dem Aderlass zu entfernen. Damit werden auch die auf das Brustdrüsengewebe zielenden krankhaften Wachstumsimpulse abgeschwächt. Wenn eine Frau ca. mit fünfzig Jahren in ihre natürlichen Wechseljahre kommt und deswegen nicht mehr blutet, kann der zwei bis vier Mal im Jahr durchgeführte Aderlasse eine Ersatzblutung darstellen. Es ist aber immer darauf zu achten, dass keine Blutarmut vorliegt, dann ist der Aderlass kontraindiziert.

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